Fasten mit Kindern

8. Februar 2018

Haben Sie schon einmal versucht mit Ihrem Kind über Verzicht, Demut oder Darmreinigung zu sprechen? Da die verschiedenen Aspekte des Fastens schwerlich in eine eher triebgesteuerte kindliche Welt passen, wird das Gespräch vermutlich ziemlich kurz ausfallen. Was genau hinter dem Ritus des Fastens steckt und was Verzicht für ihr eigenes Leben bedeutet, ist vor allem für jüngere Kinder schwer zu verstehen. Wenn Sie Ihren Kindern das Fasten trotzdem näher bringen wollen, sollten Sie auf die folgenden Fragen gefasst sein:

Das „Was?“

Prüfen Sie zunächst Ihr eigenes Gewissen – wovon haben Sie in letzter Zeit etwas zu viel konsumiert? Alkohol (die Reste von der Silvesterparty sind noch immer nicht alle) oder Fernsehen (die neuen Netflix-Serien sind für die graue Jahreszeit genau das Richtige) oder doch was ganz anderes? Schön wäre es, wenn Sie aus dem Fasten eine Familien-Entscheidung machen. Setzen Sie sich mit Ihren Liebsten zusammen, besprechen Sie Vorschläge und stimmen Sie ab. Der Gemeinschaftsgeist wird die Entscheidung erleichtern.

Das „Wozu?“

Ihrem größeren Kind können Sie sicher schon vermitteln, dass es darum geht, Bewusstsein zu schaffen. Indem man auf Dinge (zeitweise) verzichtet, lernt man ihren Wert wieder zu schätzen. Zudem ist es ein gutes Gefühl, die Kontrolle zu behalten. Auch Ihr Dreizehnjähriger will sich schließlich nicht nachsagen lassen, dass er süchtig nach seiner Spielkonsole ist. Für Ihr kleineres Kind machen Sie aus dem Fasten am besten ein Spiel: “Jeder von uns verzichtet auf etwas, und Du machst mit – okay?”

Das „Wie lang?“

Der christlichen Tradition folgend beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet 40 Tage später am Karfreitag. Unabhängig von der eigenen Religion ist dieser Zeitrahmen gut geeignet für eine Phase des Verzichts. Das Leben mit einem „Ohne“ oder „Weniger“ sollte schon ein bisschen Gewohnheitscharakter bekommen. Und vielleicht ist eine solche Fastenphase ja auch der Anstoß für einen dauerhaften Verzicht auf etwas, was Sie nach dieser Zeit gar nicht mehr vermissen.

Das „Wer?“

Erinnern Sie sich noch an den dicken Mr. Creosote aus dem Monty Python Film „Der Sinn des Lebens?“ Was haben wir alle gelacht! “Wie wär‘s mit einem Pfefferminzplätzchen?” wurde er gefragt. Er aß es und platzte. Ein unschlagbares Bild für die Verlockungen der Überflussgesellschaft und des unreflektierten Konsums. Also, wer sollte fasten? Jeder, der davon überzeugt ist, dass wir es mit Dingen wie Online-Shopping, Fast Food, Zucker, Genussmitteln und Medienkonsum etwas übertreiben.

Das „Wie?“

Wie auch bei den guten Vorsätzen fürs neue Jahr ist hier nicht nur die Planung entscheidend, sondern auch das “Was stattdessen?”. Angenommen Sie wollen auf das Fernsehen verzichten: Planen Sie das entsprechende Fastenprogramm gut durch. Holen Sie sich eine Monatskarte fürs Schwimmbad, leihen Sie sich in der örtlichen Bücherei ein paar Gesellschaftsspiele und organisieren Sie gesellige Abende mit Freunden. Dann vergeht die Fastenzeit wie im Flug.

Das „Ja, aber …“

Nehmen Sie es mit Leichtigkeit. Sie können das Fasten bei Kindern nicht erzwingen. Der Schuss wird nach hinten losgehen. Gehen Sie frühzeitig mit gutem Beispiel voran und Ihre Kinder werden Ihnen folgen. Auch, wenn Ihre Kinder bei Freunden oder in einem unbemerkten Moment das Fasten brechen, seien Sie nachsichtig. Außerdem: Wenn Fasten in Ihrer Familie immer schon ein fester Ritus ist, wird Ihr Kind diesen sicherlich auch irgendwann hinterfragen, jedoch mit wesentlich mehr Verständnis für die Hintergründe und die Tragweite, als wenn Sie das Fasten von heute auf morgen spontan einführen.

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