Die Einsamkeit der Mütter

19. Januar 2018

von Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de.

Als ich nicht mehr ganz so frisch Mutter war, da war meine Große so etwa 8 Monate alt, sagte ich einmal zu meiner kinderlosen Freundin „ich fühle mich manchmal sehr einsam, so ein Kind isoliert einen doch ziemlich.“ Sie verstand das nicht, „aber mit Kindern lernt man doch so gut neue Leute kennen, in der Krabbelgruppe, oder beim Babyschwimmen…“. Das stimmte zwar, in den zwei Stunden pro Woche war ich wirklich unter Leuten, unter Gleichgesinnten sogar, aber den Rest der Zeit verbrachte ich zu Hause, bzw. in unserem kleinen Alltag, habe die Kleine gefüttert, sie zum Schlafen hingelegt, den Haushalt gemacht, sie gewickelt, war einkaufen…diese Zeit war schon recht einsam. Zwar war ich nicht alleine, die Kleine war ja noch da, aber mir fehlte dann doch recht häufig der erwachsene Gesprächspartner.

Aus Gesprächen mit anderen Müttern weiß ich nun, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin. Kann man sich in den ersten Wochen mit Baby vor Besuchern kaum retten, so ebbt die Freude und meist eben auch das Interesse der Anderen doch dann recht schnell merklich ab und jeder geht wieder seinen typischen Aktivitäten nach, die der nun eher fremdbestimmten Babymutter meistens aber noch verwehrt bleiben. So habe ich von vielen Müttern im Babyjahr schon hören dürfen, dass sie von ihren Freunden oft nicht mal mehr gefragt werden, ob sie mit shoppen, ins Kino, oder zum Abendessen kommen wollen, da „sie ja eh nicht kommen können“. Das ist meistens ja noch nicht einmal böse gemeint, oft will man der Mutter nicht das Gefühl geben, sie müsse nun schon wieder etwas absagen, oder sie gar nicht wissen lassen, was sie nun schon wieder verpasst.

Letztens war ich mit einer Freundin und unseren nun mittlerweile vier Kindern auf dem Spielplatz. Die größeren Kids liefen herum, wir schaukelten die Babys und unterhielten uns. In unserer Nähe war eine Mutter mit ihrer wohl 18 Monate alten Tochter, die fröhlich in der Netzschaukel lag und von ihrer Mama angeschubst wurde. Im Blick dieser Mutter sah ich irgendwie genau dieses Gefühl, welches ich in jener Zeit so oft empfunden hatte und die Erinnerungen daran waren plötzlich wieder ganz frisch. Ich erinnerte mich, wie dankbar ich an den langen Tagen alleine mit Kleinkind für ein paar Sätze war, die ich mit einem Erwachsenen wechseln durfte. Also ging ich zu ihr und fragte, ob meine Kleine sich zu ihrer Tochter in die Netzschaukel legen dürfte. So kamen wir ins Gespräch und ja, diese Mutter schien wirklich dankbar um dieses Kontakt zu sein. Es waren keine tiefgründigen Gespräche, wir redeten etwas über die Kinder und das Wetter, über das neue Spielplatz-Gerät und in welchen Kindergarten die Große ging. Mehr nicht, aber ich wusste genau, welchen Unterschied ein paar dieser Sätze im Tag einer einsamen Mutter machen können.

Früher, bevor ich Kinder bekam, habe ich immer gedacht, dass diese Mütter es ja selber Schuld seien, wenn sie ihren Alltag vom Kind bestimmen lassen und sich dadurch komplett isolieren. Heute sehe ich das anders. Ich denke zwar immer noch, dass es ein gewisses Maß an Eigeninitiative bedarf, um Kontakte zu knüpfen, aber ich kann auch sehr gut nachempfinden, wie schwierig das teilweise ist und wie lähmend und frustrierend diese Einsamkeit teilweise ist.

Es ist nunmal so, dass die Kleinen erst einmal unseren Alltag bestimmen, den Ablauf, die Zeiten, die wir zu Hause verbringen, unsere Essenszeiten, usw. Manche Kinder, wie meine Große, können überall mit hin, sind entspannt und können überall schlafen, essen, sich wohlfühlen. Andere Kinder, wie meine kleine Tochter, sind da anders. Sie brauchen feste Abläufe, sonst endet der Tag, oder der Ausflug, in Geschrei. Sie brauchen ihr Bett zum Schlafen, ihre Bettgeh-Routine, feste Essenszeiten, usw. Das weiß man als Mutter und entscheidet sich nicht selten für diese Fremdbestimmung. Besser als dann abends die Quittung in Form von einem schreienden weil überreizten Kind zu bekommen, mit dem man dann leise singend seine Runden durch die dunkle Wohnung dreht. Alleine, versteht sich.


Autorin: Janina Weser, unsere Blogger-Perle von perlenmama.de, schreibt hier für VITALSANA eine regelmäßige Kolumne, in der sie uns Einblick in Ihr Familienleben gibt, sowie Tipps und Gedanken teilt. Hier können Sie mehr über Janina Weser erfahren.

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