Kinder, wie die Zeit vergeht…

5. Januar 2018

von Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de.

Ein neues Jahr hat begonnen. Eine Gelegenheit noch einmal zurück zu denken und das Jahr Revue passieren zu lassen. Kommt es euch auch so vor, als sei das Jahr an euch vorbei gerauscht? Ich habe dieses Gefühl seit ein paar Jahren. Jedes Jahr so im Oktober denke ich „wie kann schon wieder Herbst sein, wir haben doch grad erst Silvester gefeiert?“ und schwups, stehe ich schon wieder mit Sektglas und Luftschlangen auf irgendeiner Party und begrüße ein neues Jahr. Was wahrscheinlich wieder so schnell, wenn nicht noch schneller, an mir vorbeirauschen wird.

Ich kann es nicht beschwören, aber ich habe das Gefühl, dass die Zeit nochmal schneller zu rasen scheint, seit die kleinen Mädels mein Leben auf den Kopf stellen. Seit ich Mutter bin habe ich das Gefühl, die Tage, Wochen, Jahre rinnen mir durch die Finger. Sie rasen an mir vorbei wie die Landschaft, wenn man im ICE aus dem Fenster schaut. Nur, dass man halt kaum noch Zeit dafür hat, sich die Landschaft anzugucken. Und plötzlich steigt man aus und es ist schon wieder ein ganzes verdammtes Jahr vorbei gerauscht. Was bleibt uns? Erinnerungen? Facebook Updates, an die wir nächstes Jahr erinnert werden? Tausende Schnappschüsse auf dem Smartphone?

Mir drängt sich die Frage auf, ob es wirklich nur daran liegt, dass man an den Kindern die Zeit schneller vorbeirauschen sieht, oder ob es auch an unserem Lebensstil von heute liegt. Könnte die Zeit etwa langsamer verstreichen, wenn ich achtsamer leben würde? Wenn ich nicht durch den Alltag hetzen, sondern öfter mal stehen bleibe und meinem Umfeld Aufmerksamkeit schenke? Aber wie soll ich das machen?

Die fehlende Kontrolle über die Zeit, die Hetzerei und das Gefühl immer etwas zu verpassen, egal wie sehr man sich beeilt. Das „nicht-festhalten-können“ gepaart mit dem „nicht-innehalten-können“ verursacht Stress in uns, eine Leidensform eines überforderten Körpers und Geistes. Dieser Stress soll minimiert werden, indem wir aufmerksamer sind. Aufmerksamer uns und unserem Körper bzw. Geist gegenüber, aber auch unser Umfeld aufmerksamer wahrnehmen. Das ist doch eigentlich logisch, je öfter man während der Fahrt nach draußen schaut, desto mehr kann man nachvollziehen, wo man ist, wenn man ankommt. Je öfter ich innehalte und meine Kinder wirklich beobachte, wirklich ansehe und genau analysiere, wer sie sind und wie sie grad sind, desto weniger denken wir „meine Güte, wann ist sie/er bitte so groß geworden?“. Und nein, damit meine ich nicht, sie durch die Smartphone-Kamera anzuschauen, sondern ganz ohne Filter und Second Screen.

Ein weiterer Weg abseits der Autobahn des Lebens (linke Spur, in nem Audi) ist es, sich von seinen Kindern in ihre Welt entführen zu lassen. Es ist die Welt der Langsamkeit. Statt haareraufend das Kind anzutreiben, es solle doch mal hinne machen, damit man schneller von der Kita nach Hause kommt, warum nicht mal gucken, warum es da vor dem Gartenzaun hockt? In dieser Welt gibt es nämlich so einiges zu entdecken: Tanzende Bienen, superstarke Ameisen, Regenbogen-Flecken an der Hauswand, einen lustigen Gartenzwerg bei Herrn Maier im Garten, ein Stock, der aussieht wie eine Fackel und ein Stein, mit dem man malen kann wie mit Kreide. Und wenn man sich mal drauf einlässt, dann dauert der Heimweg von der Kita nach Hause nicht mehr schmerzhafte und nervenzehrende 20 Minuten statt 10, sondern vielleicht sogar 30 Minuten…aber die sind spannend, aufregend und erinnerungswürdig. Weil sie aufmerksam erlebt und nicht „abgearbeitet“ wurden. Wir sagen oft „mit Kindern vergeht die Zeit einfach nochmal so viel schneller“. Mag sein, aber sie halten auch den Schlüssel in ihrer Hand um aus dieser Falle wieder heraus zu kommen. Man muss ihnen nur aufmerksam zuhören, dann zeigen sie einem den Ausweg aus der Zeitspirale.


Autorin: Janina Weser, unsere Blogger-Perle von perlenmama.de, schreibt hier für VITALSANA eine regelmäßige Kolumne, in der sie uns Einblick in Ihr Familienleben gibt, sowie Tipps und Gedanken teilt. Hier können Sie mehr über Janina Weser erfahren.

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