Mein Flaschenkind und mein Stillkind – Ein Vergleich und ein Fazit

15. November 2017

von Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de.

Ich begehe nun gewissermaßen ein Faux Pas in Sachen Elternblog: Ich möchte über’s Stillen schreiben. Hier gehen die Meinungen erfahrungsgemäß sehr weit und sehr leidenschaftlich auseinander, dass man sich sehr schnell zwischen zwei sehr verhärteten Fronten wiederfindet. Doch ich möchte weder für’s Stillen werben, noch gegen Flaschennahrung wettern, ich möchte euch einfach von meinen ganz persönlichen Geschichte berichten, da ich mit einem Flaschenkind und einem Stillkind Erfahrungen aus erster Hand vorweisen kann.

Natürlich ist es nachwievor so, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO sehr vehement das Stillen in den ersten Lebensmonaten eines Kindes als die gesündeste Ernährung für Säuglinge ansieht. Eben aus diesem Grund war ich mir bei meinem ersten Kind 100%ig sicher: ich würde Stillen. Es gab für mich keinen Zweifel und in meiner fehlenden Erfahrung bezüglich dieses Themas versäumte ich es auch, mich im Vorfeld mit diesem Thema ausführlich genug auseinander zu setzen. Dann war die Große da und ich sollte Stillen, aber so einfach wie ich mir das vorgestellt hatte, war es leider nicht. Der Milcheinschuss kam erstmal nicht richtig in Gang, dann bekam es die Große nicht wirklich hin richtig anzudocken und wir mussten Stillhütchen einsetzen und meine Milchmenge ließ von Anfang an zu wünschen übrig. Ich bekam eine Milchpumpe, um die Milchbildung anzuregen und meine Hebamme und ich arbeiteten hart daran, stillmäßig irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen. Eine Weile sah es so aus, als würde es klappen, aber dann war meine Milch auf einmal komplett weg und mein Baby hatte Hunger. So richtig.

Ich musste also zufüttern, gab aber noch nicht gänzlich auf. Doch egal wieviel und wie oft ich (auch nachts) pumpte, wieviel Malzbier (würg) oder Stilltee ich trank, ob ich Ruhe hatte oder nicht…die Milchbar blieb trocken. Also arrangierte ich mich widerwillig mit der Pulvermilch und brauchte meine Zeit um wirklich einzusehen, dass das mit dem Stillen nichts geben würde. Der Großen war das zum Glück alles (Achtung, Wortwitz) Latte, sie trank einfach, was man ihr gab.

Viel schlimmer als nicht mehr Stillen zu können fand ich jedoch die Reaktionen anderer. Nicht wenige (meist Mütter in den bekannten Baby-Gruppen) warfen mir ohne Hintergrund-Infos vor, es dann bestimmt nicht ausreichend probiert zu haben. Jedes Mal wenn einer sagte „jede Frau kann stillen, man muss es nur wollen!“ gab es bei mir ein Stich im Herzen. Und natürlich machten sich auch Zweifel breit und die altbekannten Schuldgefühle, die heutzutage ja so typisch sind für’s Mutter-Dasein. Im Rückbildungskurs wurde meine Babyflasche missbilligend betrachtet und zum Still Café im Anschluss wurde ich nicht mal eingeladen. Nun denn…mein Baby wurde groß und ist gesund. Alles ist gut.

Als es mit der zweiten Schwangerschaft still-technisch in die nächste Runde ging, wollte ich absolut vorbereitet sein. Ich las viel über dieses Thema und deckte mich mit allerlei Stillutensilien ein. Als die Kleine dann auf der Welt war, war es als hätte ich nie etwas anderes als Stillen getan. Es war so natürlich und klappte so gut, ich war noch Wochen später total überrascht. Die Kleine war das absolute Stillkind, nuckelte am liebsten über Stunden und war generell eher vom Typ Äffchen. Das war auch gut so, sie verweigerte nämlich alles, was irgendwie mit Plastik in ihrem Mund zu tun hatte. Der Schnuller wurde wütend wieder rausgewürgt und die Flasche wurde angebrüllt, sollte es mal jemand anders als Mama wagen, die Raubtierfütterung übernehmen zu wollen. Nun denn, ich wollte ja Stillen, also passte das gut und tut es nachwievor. Mal sehen, wie sich das Abstillen gestalten wird. Durch ihre Abneigung zum Sauger und Ähnlichem ist ja selber eine Hybrid-Art der Fütterung keine Option.

Generell kann ich vermelden, dass ich abseits der gesundheitlichen Aspekte bei beidem, dem Fläschchen und dem Stillen, praktische Pros und Cons sehe. Mit dem Fläschchen und allem, was so dazu gehört, fühlte ich mich in meiner Spontanität sehr eingeschränkt. Nicht selten kam es vor, dass ich zwar spontan gern noch dies und jenes gemacht hätte, ich aber kein Milchpulver mehr dabei hatte und demnach nach Hause musste. Mal abgesehen von all dem Zeug, was man da so mitschleppen muss. Beim Stillen hat man immer alles verzehrfertig dabei und zur Hand. Brust raus und die Fütterung kann beginnen. Andererseits habe ich da auch die Exklusivrechte zu und das kann mir keiner einfach mal abnehmen. Das schränkt auch ein, jedoch auf eine andere Weise.

Die Große konnte schon früh auch mal zum Papa oder sogar zu Oma und Opa, die Kleine klebt an mir und besonders am Anfang hatte ich niemals eine Pause…obgleich ich sie als dann Zweifachmama sicher mal nötig gehabt hätte. Natürlich sind dies alles Dinge bezüglich meiner Empfindung und Wahrnehmung, aber klar, die Kids sind hier auch gefragt. Ich kann aber nicht sagen, wem es jetzt womit am besten ging. Die Große schien sich als Stillkind niemals richtig wohl gefühlt zu haben, die Kleine wäre als Flaschenkind wohl erstmal nicht glücklich geworden.

Generell lässt sich sagen, dass es bei uns anscheinend genauso war, wie es sein sollte und wie beide Kinder es ganz individuell brauchten. Beiden ging/geht es gut und das ist die Hauptsache. Da ist es auch egal, wie viele Leute mich bei der Großen belächelten oder in Gedanken sogar schalten, oder wie viele mir bei der Kleinen anerkennend zunickten. Aber mit der Zeit als Mutter kommt ja auch das dicke Fell bezüglich der Meinungen anderer. Abschließend möchte ich eigentlich kein Fazit geben, ich möchte nur, dass jede Mutter für sich und für die Bedürfnisse ihres Kindes pro oder contra Stillen entscheidet, und nicht basierend darauf, was Anke und Hannah im Rückbildungskurs nun davon halten.


Autorin: Janina Weser, unsere Blogger-Perle von perlenmama.de, schreibt hier für VITALSANA eine regelmäßige Kolumne, in der sie uns Einblick in Ihr Familienleben gibt, sowie Tipps und Gedanken teilt. Hier können Sie mehr über Janina Weser erfahren.

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