Wurzeln und Flügel – Wie wir unsere Kinder für die Schule stark machen

18. Oktober 2017

von Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de.

Da ist es, das letzte Kindergartenjahr. Die Schule steht bevor und somit ganz viele kleine und große Veränderungen. Meine Große erwartet einerseits die Schule mit großer Freude, andererseits hat sie auch ihre ganz eigenen kleinen Sorgen. Sie freut sich auf’s Lernen und darauf, mit ihrem Schulranzen herumzulaufen, andererseits hat sie auch Sorge, dass sie zum Beispiel etwas nicht versteht, die Lehrer nicht kennt und ihre Freunde nicht dabei sein könnten.

Das letzte Kindergartenjahr ist ein Jahr voller Umbrüche. Die Kids stehen auf der Schwelle zwischen dem Klein-Sein und dem Groß-Sein und können sich oftmals nicht entscheiden, was von beidem sie gerade sind, beziehungsweise sein wollen. Die Tage in dieser aufregenden Zeit sind gezeichnet vom Loslassen und festhalten, was ganz normal ist in diesem Abnabelungsprozess. Einerseits wollen sie eigenständig sein, vieles selber tun und vor allem Verantwortung übernehmen. Doch andererseits sind sie auch schnell überfordert, vor allem wenn etwas nicht so funktioniert wie sie es wollen. Oftmals überwiegen dann die Frustration und auch eine gewisse Überforderung gegenüber dem Willen, es schaffen zu wollen. Das bringt die kleinen Großen dann oftmals an ihre Grenzen der Belastbarkeit…und uns Eltern gleich mit. Aber nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für ihre Eltern, die einsehen müssen, dass ihre Kleinen Mäuse schon ziemlich groß sind.

Genau wie unsere Kinder müssen wir nun langsam einsehen, dass die Zeit wirklich sehr schnell vergeht und wir bald schon ein Schulkind daheim haben („Ernsthaft? Ist sie nicht grad noch hier durch die Gegend gekrabbelt?!“). Der Abnabelungsprozess ist nicht nur für die Kinder eine Herausforderung, sondern für uns Eltern ebenfalls teilweise mehr als schwierig. So wird mir heute schon schlecht bei den Gedanken, dass die Große in nicht mehr allzu fernen Zukunft alleine gen Schule loszieht. Dass sie die Tage in einem Umfeld verbringen wird, in dem mein Einfluss und meine Anwesenheit noch limitierter sein werden als schon im Kindergarten. Außerdem wird sie mehr und mehr ihre Autonomität einfordern, manchmal auch mehr als ich ihr zu geben bereit bin. So ist es auch für uns Eltern ein Lernprozess. Wir müssen lernen loszulassen, Verantwortung abzugeben und unseren Kindern zu vertrauen. Und auch uns zu vertrauen, darauf, dass wir ihnen bisher alles mitgegeben haben um diesen Schritt autonom und selbstsicher zu meistern.

Der Sohn einer Freundin sagte einmal zu ihr „Mama, mach dir keine Sorgen, ihr habt mir doch alles beigebracht, was ich brauche!“. Okay, das war als er an der Universität ein Studium begann, aber irgendwie passt es auch schon in die Zeit des letzten Kindergartenjahres. All die Jahre haben wir verbracht unsere Kinder zu stärken, ihnen das beizubringen, was sie brauchen um sich in dieser Welt zurecht zu finden. Nun sollten wir ihnen auch zugestehen, dies zu tun. Und ja, das ist nicht immer einfach, aber genau dies stärkt sie noch mehr. Wenn sie merken, dass wir ihnen vertrauen und glauben, dass sie dies auch können. Denn sie selber sind sich diesbezüglich nicht immer so sicher und wenn sie merken, dass wir vielleicht auch nicht daran glauben, dass sie soweit sind, dann verunsichert sie dies noch viel mehr. Wir tun unseren Kindern also einen Gefallen damit, sie in dieser Zeit zu stärken und ihnen auch mal etwas zuzutrauen.

Ein altes Sprichwort besagt doch „das wichtigste, was wir unseren Kindern geben können, sind Wurzeln und Flügel“. Ja, und diese besondere Zeit zwischen zwei wichtigen Lebensstationen ist das erste Mal, dass beide dieser Dinge wichtig werden. Die Gewissheit, dass wir da sind wenn sie uns brauchen, aber auch den Mut, unsere Hand auch mal loszulassen. Jedoch mit dem Wissen, dass sie immer noch da ist, wenn sie wieder danach greifen wollen. Das bedarf viel Mut und Geduld auf beiden Seiten und ein gemeinsames Herantasten in diese unbekannten Gewässer.


Autorin: Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de, schreibt hier für VITALSANA eine regelmäßige Kolumne, in der sie uns Einblick in Ihr Familienleben gibt, sowie Tipps und Gedanken teilt. Hier können Sie mehr über Janina Weser erfahren.

3 Comments

  1. Diana kämpfe sagt:

    Ich würde gerne mehr erfahren mein Sohn. 7 hatte Einschulung
    es klappt nicht Hausaufgaben er zögert es raus bringt auch es nicht mit was er auf hätte

    • Perlenmama - Janina Weser sagt:

      Liebe Diana Kämpfe,

      danke für Ihren Kommentar. So aus der Ferne ist es natürlich sehr schwer zu sagen, womit genau ihr Sohn bezüglich der Hausaufgaben kämpft. Ich würde dies auf jeden Fall mit dem Lehrer/der Lehrerin kommunizieren und mich nach der Schule nicht auf all zu langwierige Kämpfe einlassen. Besonders die ganz Kleinen brauchen nachmittags unbedingt eine Pause. Besprechen Sie dies mit der Schule, die haben bestimmt auch ein paar Tipps und vor Allem: Erfahrung mit diesen Situationen.

  2. M R sagt:

    Evtl hilft es, mit der Lehrerin / dem Lehrer zu sprechen und diesen zu bitten, dass er / sie 14 Tage lang die Eintragungen in das Hausaufgabenheft auf Vollständigkeit kontrolliert? Dann ist wenigstens die Info vorhanden, was zu tun ist.

    Was die Motivation anbelangt… gibt es Möglichkeiten, auf den Vorlieben des Sohnes aufzubauen und ihn darüber zu kleinen Erfolgserlebnissen bei den Hausaufgaben zu bringen?

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