So haben auch Kinder Spaß am Wandern

11. Oktober 2017

Wandern ist langweilig, fanden unsere Töchter. Bis zu unserem letzten Ausflug.

Meine Frau Britta und ich lieben es zu wandern. Vor allem im Herbst, wenn das Laub unter den Schuhen raschelt, der Wald diesen herrlich modrigen Duft verströmt und die Sonne noch genug Kraft hat. Auch unseren dreijährigen Mischlingsrüden Max müssen wir nicht lange motivieren. Er liebt ausgiebiges Gassi gehen und ist kaum müde zu bekommen. Nur unsere Töchter Leonie und Fenja konnten wir bislang noch nicht begeistern. Sie finden wandern viel zu anstrengend und außerdem langweilig.

Im Vorfeld unseres geplanten Tagesausflugs ins Schwangau machten Britta und ich uns deshalb Gedanken, wie wir unseren Mädels frische Luft und Bewegung schmackhaft machen könnten. Schließlich wollten wir den Familienfrieden nicht mit andauerndem „Wann sind wir endlich da?“ und „Ich kann nicht mehr!“ aufs Spiel setzen. Zunächst suchten wir deshalb einen familientauglichen Rundweg von knapp 6 km Länge heraus. Dann bestückten wir unsere Rucksäcke mit den wichtigsten Wander-Utensilien, planten ein leckeres Picknick und machten einen „Deal“ mit unseren Töchtern: Für jede Minute Wandern ohne maulen, sollte es 1 Minute Zeit an der Playstation geben. Frische Luft gegen Zeit vor dem Fernseher, das war für uns alle ein zufriedenstellender Deal, den wir so nun auch weiter behalten haben. Es ist erstaunlich, wie begeistert die Mädels seither sind, wenn es um das Gassi gehen geht. Obendrauf stellten wir einen Kaiserschmarrn am Ziel des Weges in Aussicht.

Gut vorbereitet ging es also am nächsten Tag los in Richtung Schwangau. Der Himmel war leicht bedeckt, die Kinder halbwegs gut gelaunt (und mit einer Stoppuhr ausgerüstet) und Max wie gewohnt nicht zu bremsen. So absolvierten wir die ersten beiden Kilometer unseres Wanderwegs ganz locker. Auf einmal schien Max eine Witterung aufgenommen zu haben. Jedenfalls verschwand er im Gebüsch und tauchte minutenlang nicht mehr auf. Die Mädchen riefen ihn gefühlte hundert Mal und wurden immer unruhiger. „Ich geh ihn jetzt suchen!“ beschloss Fenja. „Aber nicht alleine“, bestimmte Britta. „Papa geht mit. Leonie und ich warten hier.“ Na gut, dachte ich, dann gehe ich halt mit ins Gebüsch.

Meine aufgeregte 10-Jährige hatte es sehr eilig, ich versuchte noch, sie zu bremsen: „Mach langsam!“ Da war es auch schon passiert. Fenja stolperte über einen Ast und fiel der Länge nach hin. Sie schrie vor Schreck kurz auf, weinte aber nicht. Eine erste Begutachtung der Verunglückten zeigte ein paar Schürfwunden an den Händen und am Schienbein, mehr war Gottseidank nicht passiert. Als hätte Max das mitbekommen, kam er plötzlich wie aus dem Nichts angeschossen und sprang Fenja auf den Schoß. „Da bist du ja, du Ausreißer!“ rief das Mädchen überglücklich und vergaß die schmerzenden Schrammen augenblicklich.

Zurück bei Britta und Leonie feierten wir die glückliche Wiedervereinigung der Familie erst Mal mit knackigen Brötchen und duftenden Landjägern. Britta machte sich gleich an die Versorgung von Fenjas Schrammen. Zunächst säuberte sie die Wunden vorsichtig und desinfizierte sie. Auf eine Stelle, die noch blutete, klebte sie ein Pflaster. Und weil die Sonne inzwischen herausgekommen war, reichte sie gleich auch noch die Sonnencreme herum. „Ich denke, wir sollten dann jetzt den Rückweg antreten“, schlug ich vor. „Damit unsere Patientin sich ausruhen kann.“ „Kommt gar nicht in Frage!“ protestierte Fenja. „Ich gebe doch wegen so ein paar Kratzern nicht auf. Wir haben noch nicht genug Minuten gesammelt!“ Und so schafften wir tatsächlich noch die ganze Strecke. Am Ende gab es eine Familienportion Kaiserschmarrn für alle. Die Playstation wurde an diesem Abend übrigens nicht mehr eingeschaltet. Stattdessen spielten wir Uno und Kniffel. Was für ein schöner Tag!

Mein Tipp für Dinge, die in jeden Wanderrucksack gehören:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Send this to friend