Wie aus Kindern Ersthelfer werden

10. September 2017

von Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de.

Wir versuchen ja unser Bestes, unsere Kinder vor allem Schlimmen zu schützen. Doch manche Dinge liegen einfach außerhalb unserer Kontrolle (und ja, diese Erkenntnis kann einem als Eltern sehr große Angst machen) und da ist es wichtig, dass wir unseren Kindern alles mit auf den Weg geben, damit sie sich in Ausnahmesituationen zu helfen wissen. Dies dient auch dazu, dass eventuelle traumatische Erlebnisse nicht als solche wahrgenommen werden, wenn unsere Kinder aktiv werden können, statt sie passiv zu erleben und nicht reagieren zu können. Weil sie nicht wissen wie.

Der Grat zwischen Vorbereitung und ihnen Angst vor Eventualitäten zu machen ist schmal und bedarf einer großen Portion Einfühlungsvermögen. Wie bereite ich mein Kind darauf vor wie man sich im Falle eines Autounfalls verhält, ohne ihm/ihr Angst zu machen, dass so etwas passieren könnte? Die Frage ist so pauschal leider nicht zu beantworten und basiert auf dem individuellen Empfinden des Kindes. Doch man kann sogar schon den Kleinen erklären, dass dies eine Möglichkeit ist und man sich aber vorbereiten kann, damit es in dem Moment nicht ganz so gruselig erscheint. Hier ist Ehrlichkeit gegenüber der Kinder wichtig.

Ein erster Schritt ist es, den Kindern zu erklären, dass sie auf sich aufpassen müssen und im Falle eines Notfalls in Sicherheit bringen müssen. Hier ist es wichtig ihnen zu erklären, dass sie erst auf anwesende Betreuungsperson achten sollen und erst, wenn davon keine zugegen ist, sollen sie den Unfallort dahin verlassen, wo es sicher ist (nach draußen, zu anderen Menschen, nicht auf die Straße, nicht im Gebäude verstecken, etc.). Dazu gehört auch zu wissen, wie man den Autositz und das Auto öffnet und sicher (!) verlässt (auf der Seite, wo keine Autos fahren, auf den Verkehr achten, nicht auf die Straße laufen, etc.).

Im zweiten Schritt ist es wichtig, dass das Kind weiß wo es Hilfe bekommen kann. Ich habe immer sehr darauf geachtet, dass meine Kinder die Polizei nicht als etwas „Böses“ ansehen (wenn du dies und jenes nicht tust, dann kommt die Polizei!), sondern als jemanden, den man um Hilfe bitten kann. So sollte das Kind z.B. unbedingt die Notfallnummern kennen. Wir haben daraus ein Spiel gemacht: Ich frage meine Tochter (5) „welche Nummer wählt man, wenn man Rauch und/oder Feuer sieht, wo keins sein sollte?“ und sie klatscht „1-1-2, die Feuerwehr!“ und so weiter. Das klappt ganz gut. Natürlich sollte das Kind hier auch wissen, wie man das Handy entsperrt und/oder das Telefon benutzt. Durch Rollenspiele kann es dann noch lernen, was es bei einem solchen Anruf sagen soll (Name, Alter, was ist passiert, wo befindet man sich, wenn bekannt, oder was kann man sehen, usw). Meine Große hat dabei immer sehr viel Spaß.

Der dritte Schritt ist für ältere Kinder, denn er erfordert eine etwas größere Portion Mut und Selbstbewusstsein. Denn ja, auch Kinder können erste Hilfe leisten. Wenn noch keine Hilfe da ist und jemand verletzt ist, dann kann das Kind zum Beispiel mit dem Opfer reden, ihm Fragen stellen. Sollte das Opfer nicht ansprechbar sein, so können schon Kinder ab etwa 8 Jahren eine Person in die stabile Seitenlage bringen und Atemwege freimachen. Hierfür gibt es online tolle Tutorials (siehe unten), die Kindern und Eltern zeigen, wie man so etwas üben kann. Aber auch Erste Hilfe Kurse werden speziell schon für Kinder angeboten.

Generell ist es wichtig, mit Kindern zu sprechen und sie für solche Ausnahmesituationen stark zu machen. Selbstbewusste Kinder können in Notfällen über sich hinaus wachsen und zeigen ein gewisses Maß an Resilienz gegenüber traumatischen Erlebnissen, da sie sich aktiv daran beteiligen können. Das stärkt. Kinder, die sich solchen Situationen hilflos ausgeliefert fühlen, haben im Nachhinein wesentlich mehr damit zu kämpfen, solche Erlebnisse zu verarbeiten. Daher mein Appell an alle Eltern: Bereitet eure Kinder auf solche Eventualitäten vor. Auch so schützt ihr sie.


YOU TUBE TUTORIALS

Das Erste Hilfe Kindertraining des Deutschen Roten Kreuzes:

Einen Notruf absetzen:

Kleinkind legt Vater in die stabile Seitenlage:


Autorin: Janina Weser, unserer Blogger-Perle von perlenmama.de, schreibt hier für Vitalsana eine regelmäßige Kolumne, in der sie uns Einblick in Ihr Familienleben gibt, sowie Tipps und Gedanken teilt. Hier können Sie mehr über Janina Weser erfahren.

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